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Aufzucht
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Geschrieben von: Martina   
Donnerstag, den 07. Januar 2010 um 14:08 Uhr

 

 

Ablauf einer erfolgreichen Brut

 

 

Zur Zucht geeignet sind Nymphensittiche erst ab einem Alter von ca. 1,5 Jahren. Jüngere Hennen bekommen ansonsten aufgrund der hohen körperlichen Belastung gesundheitliche Probleme. Es sollten keine Vögel brüten, die durch Krankheit geschwächt oder verhaltensgestört sind oder sich und den Partner rupfen. Lediglich ein Paar, das gut miteinander harmoniert, sollte zur Brut angesetzt werden.

 

Die Brut wird in einem handelsüblichen Brutkasten vollzogen. Sind mehrere Nymphenpaare vorhanden, so ist es ratsam, auch mehrere Brutkästen anzubieten. Werden zu wenige Brutkästen angeboten, kann es passieren, dass bereits vorhandene Eier zerstört werden oder gar die bereits geschlüpften Küken getötet werden.

 


 

Brutwillige Nymphensittiche werden vom Schwarm separiert, damit es aufgrund der nun zu erwartenden Aggressivität nicht zu Streit und somit Verletzungen unter den Vögeln kommt.

 

Wird das brütende Paar oft von anderen Vögeln gestört, kann es passieren, dass die Brut aufgegeben wird. 

 

Der Brutkasten wird mit ein wenig Buchenholzgranulat oder Kleintierstreu ausgelegt.

 

Auf die Brut müssen die Eltern durch entsprechende Nahrung vorbereitet werden. Zur Stärkung gibt es nun neben dem normalen Körnerfutter eiweiß- und vitaminreiche Kost in Form von Keim- und Quellfutter, Obst/Gemüse, Ei- und Aufzuchtfutter.  

 

Da unerfahrene Elterntiere mit mehr als drei Küken schnell überfordert sind, können Eier ab dem dritten Ei gegen Plastikeier eingetauscht werden. Einzelnen Küken fehlt das Sozialverhalten unter Geschwistern. Deswegen sollten mindestens zwei Küken den Vögeln belassen werden.

 

Um die Elterntiere an Kontrollen während der Kükenaufzucht zu gewöhnen, sollten diese Bereits vor dem Schlupf regelmäßig erfolgen.

 

Damit die Eier nicht austrocknen, darf die Luftfeuchtigkeit nicht unter 70 % fallen. Kontrolliert wird dies mittels Hygrometer.

 

Eier, die ca. 1 Woche alt sind, können auf ihre Befruchtung hin überprüft werden, in dem sie gegen das Licht gehalten werden. Ist das Ei befruchtet ist ein dunkler Schatten zu erkennen – der Embryo.

 

Einen Tag vor dem Schlupf ist das leise Piepsen der Küken durch die Eischale hindurch zu hören. Die ersten Küken schlüpfen nach 18 bis 21 Tagen. Sie sind mit einem gelben Flaum bekleidet. Ausnahme bilden hier die Weißkopfküken. Sie besitzen ein weißes Flaumenkleid.

 

Sobald ein Küken das Licht der Welt erblickt, benötigen die Elterntiere viel Ruhe. Sie müssen fortan für ihr Küken dasein, es füttern und wärmen. Auch die noch im Nest befindlichen Eier brauchen weiterhin die Wärme der Elterntiere.

 

Genau wie im Ei auch ernähren sich die Küken direkt nach dem Schlupf vom Dottersack. Es ist daher ganz normal, dass die Elterntiere nicht direkt nach dem Schlupf mit dem Füttern beginnen.

 


 

In den kommenden Tagen werden die Küken alle 2 Stunden gefüttert und so mit der Kropfmilch der Elterntiere versorgt. Laute Bettelrufe der Küken begleiten die Fütterung. Bei Nymphensittichen füttern beide Elterntiere.

 


 

Während des Huderns ist auf eine hohe Luftfeuchtigkeit zu achten. Den Elterntieren sollte daher täglich eine Badeschale oder eine Dusche angeboten werden.

 

Um die Brut erfolgreich groß ziehen zu können, brauchen die Elterntiere qualitativ hochwertiges Körnerfutter. Zudem bekommen sie Mineralien, Kalkstein, Sepiaschale, Obst/Gemüse. Aufzuchtfutter kann ebenfalls angeboten werden. Eifutter hingegen ist brutfördernd und sollte deswegen maximal 10 Tage gegeben werden.  

 


 

 

Die Küken schlüpfen in dem Abstand, wie die Eier gelegt wurden, jedoch liegen meist weniger als 2 Tage dazwischen.

 

Die harte Eischale wird mit dem Eizahn, einem höckerartigen Kalk-Aufsatz auf der Schnabelspitze, ringförmig geöffnet. Mit den Beinchen voran kämpft sich das Küken ans Licht der Welt.

 

Anfangs schlafen sie – wie alle Babies – sehr viel und werden ca. alle 1,5 Stunden gefüttert. Ca. am 8. Lebenstag öffnen sich die Augen.

 

Wenn die Küken 10 Tage alt sind, werden sie tagsüber oft von den Elterntieren alleine gelassen. Lediglich nachts bekommen die Küken noch Gesellschaft von der Henne. Ansonsten wärmen sie sich gegenseitig, da sie meist eng beieinander hocken.

 

Der Austausch von Flaumenkleid zu Federn erfolgt im Alter von 11 bis 14 Tagen.

 

 

 

Die Hauben- und Flügelfedern sind die ersten Federn, die wachsen.

 

Voll befiedert sind die Nymphensittiche mit 4 Wochen. Allerdings haben sowohl Schwanz- als auch Schwungfedern noch nicht ihre endgültige Länge. Um den 21. Lebenstag herum werden die ersten Flug-Trockenübungen im Nistkasten vollzogen.

 

Flügge werden die Küken jedoch erst mit 30 bis 33 Lebenstagen. Nun werden sie im Abstand von ca. 4 Stunden von den Elterntieren gefüttert. Die ersten Flüge außerhalb des Nistkastens enden oft mit Bruchlandungen. Das vogelsichere Zimmer muss evtl. noch sicherer gemacht werden. Nach ein paar Tagen und ettlichen Übungsstunden später jedoch können zumindest kurze Strecken erfolgreich zurückgelegt werden. Die Jungvögel trainieren ihre Flugmuskulatur, werden aber immer noch von den Eltern gefüttert. Sie erhalten vorverdaute Körner.


 

Um den 40. Lebenstag herum beginnen die Jungvögel eigenständig Hirse oder andere kleine Körner zu probieren. Das selbständige Putzen klappt nun auch ganz gut, ebenso das gegenseitige kraulen. Zudem werden sie jetzt von den Eltern entwöhnt. Die Aufnahme von Körnerfutter erfolgt nun gemeinsam, jedoch füttern die Elterntiere zwischendurch immer wieder die Jungtiere.

 

Futterfest sind junge Nymphensittiche mit ca. 8 Wochen. Auch werden nun die sozialen Kontakte, die bereits von Schlupf an bestehen, intensiviert. Das Spielen und richtige Kraulen will gelernt sein. Von daher ist es sehr wichtig, die Jungtiere nicht vor der 12. Lebenswoche von den Elterntieren zu trennen.

 

Das Gewicht der Küken erhöht sich um ca. 4 g pro Tag. So wiegt ein gerade geschlüpftes Küken ca. 5 g, ein 10 Tage alter Nymphensittich ca. 33 g, mit 20 Tagen wiegt er ca. 97 g, mit 30 Tagen ca. 98 g. Ab dem 26. Lebenstag ist das Gewicht rückläufig so dass der Vogel mit 40 Tagen sein endgültiges Gewicht von ca. 95 g erreicht hat.


 

Handaufzucht

 

Handaufzuchten sollten zum Wohle der Vögel nur im absoluten Notfall vorgenommen werden. Leider gibt es auf dem Markt immer mehr gewollte Handaufzuchten, da diese aufgrund der fehlenden Artgenossen eine Fehlprägung auf den Menschen entwickelt haben. Sie sind somit zahm.

 

Gerade Anfänger in der Vogelhaltung wünschen sich zahme Nymphensittiche, in der irrigen Annahme, dass diese Tiere leichter zu händeln sind. Leider wird dabei völlig vergessen, dass die zahmen Nymphensittiche nicht unter ihresgleichen aufgewachsen sind und somit kein arttypisches und damit sehr wichtiges Sozialverhalten zeigen. Eine spätere Vergesellschaftung erweist sich als schwierig bis aussichtslos. Solche fehlgeprägten Nymphensittiche haben zudem Probleme beim Aufziehen eigener Küken.

 

Bekommt der Handaufzucht-Nymphensittich die Möglichkeit, unter Seinesgleichen zu leben, ist er im Schwarm isoliert und reagiert auf den Stress, den er durch die Artgenossen erleidet mit Rupfen, Schreien oder Aggressivität.

 

Der anfänglich verschmuste Nymphensittich wird zum Problemvogel und landet im Tierheim.

 

Handaufzuchten ab Schlupf haben zudem nicht die für die Entwicklung so wichtige Kropfmilch bekommen, welche die Immunabwehr stärkt. Krankheiten und langsames Wachstum sind die Folge. Sichtbare Zeichen sind u. a. die verspätet einsetzende Jungmauser oder generelle Mauserprobleme wie z.B. Schwäche während des Federwechsels.

 

Es gibt verschiedene Formen der Handaufzucht.

 

Not-Handaufzuchten kommen leider vor, wenn die Elterntiere aus verschiedenen Gründen nicht mehr die Aufzucht der Küken übernehmen konnten. Bezeichnet ein Züchter, der mehrere Brutpaare hat, die Küken eines Geleges als Not-Handaufzucht ist Vorsicht geboten! Verantwortungsvolle Züchter schieben in solchen Fällen die Küken anderen Brutpaaren unter, um so eine Naturbrut zu ermöglichen.

 

Bei Teilhandaufzuchten wurden die Küken den Eltern frühzeitig entnommen. Diese Art der Aufzucht ist genauso abzulehnen wie die nachfolgend beschriebenen Aufzuchtarten.

 

Bei der Geschwisterhandaufzucht  werden die Küken zwar mit ihren Brüdern und Schwestern vom Menschen großgezogen, jedoch lernen sie das wichtige Sozialverhalten nur von den Eltern. Entwicklungsstörungen im Verhalten sind die Folge.

 

Die schwerste und negativste Form der Handaufzucht ist die isolierte Handaufzucht. Hierbei werden die Küken ohne Geschwister und Eltern groß gezogen. Eine vollständige Fehlprägung auf den Menschen ist vorprogrammiert. Die Resozialisierung im Schwarm ist so gut wie ausgeschlossen.

 

 

 

Was tun bei einer Handaufzucht

 

Werden die Küken nicht mehr ausreichend versorgt geschieht dies meist plötzlich und unerwartet. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Dennoch sollte der Nymphensittichhalter auf diesen Ernstfall vorbereitet sein und einige Hilfsmittel im Haus haben. Von nun an muss er sich 24 Stunden am Tag um die Küken kümmern.

 

Zunächst werden die Küken in eine Schale, die mit Küchenpapier ausgelegt ist, gesetzt. Ist nur ein Küken vorhanden, imitiert man aus Küchenpapierkugeln zwei oder drei Geschwisterküken. Somit hat das reale Küken Halt in der Schale.

 

Die Schale wird in eine kleine Kunststoffbox oder Aquarium gestellt. Um die Temperatur (ca. 37 °C) und die Luftfeuchtigkeit (ca. 50 %) zu halten, wird die Kunststoffbox mit feuchten Handtüchern behängt und mit einem Elsteindunkelstrahler bestrahlt. Die Küken dabei nie direkt bestrahlen! Normales Rotlicht eignet sich nicht, da es die Haut austrocknet und verbrennt. Kontrolliert werden die Werte mit einem Thermometer und Hygrometer. Die Messgeräte müssen sehr nah am Küken liegen.

 

Die Handtücher müssen mehrmals am Tag neu benässt werden, einmal am Tag werden sie komplett ausgetauscht.

 

Sowohl Kunststoffbox als auch Aquarium dürfen nicht komplett luftdicht sein. Es droht sonst Erstickung und Hitzestau.

 

Bei frisch geschlüpften Küken muss die Temperatur in der Kunststoffbox 35 bis 36 °C betragen. Nach 5 Tagen wird die Temperatur um 1 °C gesenkt und dann jede weitere Woche ebenfalls um 1 °C. Brechen die ersten Federn durch, ist eine Temperatur von 29 °C ausreichend.

 

Ist der Kropf annähernd leer, müssen die Küken von Hand gefüttert werden. Wichtig ist, dass man Handaufzuchtfutter nimmt. Aufzuchtfutter wird nur den Elterntieren während der Brut und den ersten zwei Wochen danach gereicht.

 

Der Handaufzuchtbrei wird mit Tee (gegen Blähungen) angerührt. Um einer Rachitis vorzubeugen, wird dem Handaufzuchtbrei Calcium zugeführt. Für die Darmflora sind Laktobazillen erforderlich. Ganz wichtig ist es, die Temperatur des Breies genau zu beziffern. Mehr als 38 – 39 °C darf der Brei nicht haben, da sonst der Kropf verbrüht wird. Die Mengenangaben auf der Verpackung sind nur Richtwerte. Ausschlaggebend ist der gefüllte Kropf, ob noch nachgefüttert wird oder nicht.

 

Gefüttert wird nur 10 % des Körpergewichts.

 

Verabreicht wird der Handaufzuchtbrei mit einer Spritze (natürlich ohne Nadel !). Je nach Alter des Küken muss Anfangs alle 2 Stunden gefüttert werden. Der Kropf sollte gut gefüllt sein, aber nicht überdehnt oder gar hart. Der Brei in der Spritze darf keine Luftblasen enthalten.

 

Um eine Gärung im Kropf, die für das Küken tödlich endet, zu vermeiden muss dieser sich einmal am Tag komplett entleeren. Eventuelle Luftblasen im Kropf massiert man sehr vorsichtig nach oben hin heraus.

 

Ist der Kropf entleert, erfolgt die nächste Fütterung. 

 

Die Kontrolle des Gewichtes ist nun sehr wichtig. Hierzu wird das Küken Morgens vor dem ersten Füttern gewogen und das Gewicht notiert.

 

Auf Hygiene ist in der kommenden Zeit besonders zu achten. Das Küchenpapier muss alle 2 Stunden ausgetauscht werden. Zudem sollte nach der Fütterung überschüssiger Brei aus dem Gefieder / von der Haut entfernt werden, damit dieser nicht verklebt.

 


Was alles bei einer Handaufzucht benötigt wird:

 

Kleine Spritze 2,5 ml oder 10 ml (ohne Nadel !)

 

Handaufzuchtfutter

 

Traubenzucker

 

Calciumampullen (Calcium Frubiase T oder Calcium Forte Trinkampullen)

 

Laktobazillen (PT12, Bird-Bene-Bac)

 

Fenchel-, Kamillen-, Anis-, Kümmeltee

 

Kunststoffbox / Aquarium oder dergl.

 

Elsteindunkelstrahler

 

Küchenpapier

 

Handtücher

 

Küchenwaage (g-genaue Anzeige)

 

Thermometer

 

Hygrometer

 

 

 

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass auch Naturbruten zahm werden! Es bedarf also keiner Handaufzucht, um einen handzahmen Vogel zu bekommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 15. April 2011 um 20:38 Uhr
 


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