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Berichtet wird hier vom Befall mit Askariden (Spulwürmern) und der Verabreichung einer Kortisonspritze.
Spulwurmbefall
Fünf Wochen, nachdem unsere Henne vom Züchter zu uns kam, schied sie einen Wurm aus. Da meine Nymphensittiche zu dem Zeitpunkt keine neuen Äste oder dergleichen von draußen bekommen hatten, der Transportkäfig, in dem die Henne auf dem Weg vom Züchter bis nach Hause saß, seinerzeit gut abgedeckt war, gab es nur eine Ansteckungsquelle: die Volieren des Züchters. Diese Annahme wird von der Tatsache untermauert, dass von der Aufnahme eines Spulwurmeies bis zum Ausscheiden eines adulten Wurmes ca. 3-5 Wochen vergehen. Der Henne ging es nach dem Ausscheiden des Wurmes gut, von daher beschränkte ich mich zunächst darauf, Kot einzusammeln. Die Kotprobenuntersuchung beim Tierarzt ergab: Massiver Spulwurmbefall. Wir bekamen vom Tierarzt das Medikament Congurat (Wirkstoff: Levamisol) überreicht und verabreichten dieses an zwei aufeinander folgenden Tagen über das Trinkwasser (Dosierung: 20 mg pro kg Körpergewicht auf 100 ml Wasser). Congurat ist ein Medikament, welches nur über das Trinkwasser verabreicht werden kann! Von daher kann ich persönlich der von vielen Haltern vertretenen These, dass Nymphensittiche nicht genug trinken damit das Medikament wirken nicht zustimmen. Dennoch würde ich bei Antibiotika eine orale Gabe vorziehen. Bereits am Morgen des zweiten Behandlungstages zeigte das Medikament Wirkung: Die Kloake der Henne war verschmiert mit einem Mix aus Kot und gestorbenen Würmern. Da sie ständig versuchte, sich mittels Schnabel und Füßchen selbst zu reinigen, griff ich sie und säuberte ihren Kloakenbereich. Die Füßchen waren auch kotverschmiert und wurden ebenfalls im Wasser abgespült. Damit kein neuer Kot am Kloakengefieder hängen bleibt, mussten leider einige Kloakenfeder abgeschnitten werden. Bei dieser Erkrankung muss der Vogelhalter dafür sorgen, dass es nicht zu einer erneuten Aufnahme von Spulwurmeiern kommt. Nachdem die Henne sauber war, wurde der Käfig und alles Spielzeug einer Großreinigung unterzogen. Zunächst wurde alles, was leicht ersetzbar ist (z. B. Sepiaschale, Kalkstein) entsorgt. Dann wurde der Käfig mit kochend heißem Wasser gereinigt, anschließend mit Bactazol desinfiziert und nochmals mit heißem Wasser abgespült. Da meine beiden Nymphensittiche sehr gerne warmes Wasser trinken, nutzte ich dieses aus und verabreichte das Medikament im warmen Wasser aufgelöst im Trinknapf. Dass sich im Wasser ein Medikament befand, bemerkten sie offensichtlich nicht, denn sie tranken das Wasser trotzdem gerne. Am ersten Tag, als die Würmer abgingen, ging es der Henne sehr schlecht. Zeitweise hatte ich den Eindruck, dass sie es nicht überlebt. Das Gift der absterbenden Würmer machte ihr sehr zu schaffen. Am 2. Tag der Medikamentengabe kränkelte sie nicht mehr so stark. Insgesamt schied die Henne an diesem Wochenende ca. 20 Spulwürmer aus. Die nächsten Tage verbrachte ich damit, alles, womit die Nymphensittiche in Berührung gekommen waren, mit kochend heißem Wasser zu reinigen. Glücklicherweise hatten wir damals noch keine große Voliere. Der kleinen Käfig konnte gut die Treppe hinauf ins Badezimmer getragen und in die Badewanne gestellt werden. Freiflug bekamen die Nymphensittiche nach wie vor. Jedes Häufchen, das sie hinterließen, wurde sofort entsorgt. Über eine Woche später wurde erneut eine Kotprobe beim Tierarzt abgegeben. Die mikroskopische Untersuchung zeigte, dass sie negativ war! Trotzdem riet der Tierarzt in der darauf folgenden Woche eine erneute Behandlung mit Congurat durchzuführen, da sich noch im Körper befindliche Larven zwischenzeitlich zu erwachsenen Würmern entwickeln könnten. Nur die adulten Würmer scheiden Eier aus. Die tägliche Reinigung wurde fortgeführt. Insgesamt wurde 4 Wochen lang die Hygiene sehr groß geschrieben. Dank einkehrender Routine ging die Arbeit immer schneller von der Hand. Fazit: Obwohl ich, bevor die Henne zu uns kam, in einem Forums-Bericht von einem Spulwurmbefall las, in dem bei Neuzugängen zu einer Kotprobenuntersuchung geraten wurde, ließ ich den Kot unserer Henne nicht untersuchen. Der Hahn hatte sich bei der Henne nicht mit Spulwürmern angesteckt. Der so oft gehörte Satz: "Wenn einer es hat, haben es alle" stimmt meiner Erfahrung nach nicht. Und: Congurat hat gewirkt, trotz der Gabe über das Trinkwasser.
Kortison
Meine Nymphensittichhenne blieb eines Abends mit dem linken Fuß im unteren Frontbereich der Voliere hängen. Zunächst war sie völlig beschwerdefrei, humpelte jedoch plötzlich 3 Tage nach dem Unfall stark, so dass wir eine vogelkundige Tierärztin aufsuchten. Diese untersuchte die Henne eingehenst und stellte die Diagnose „Muskelzerrung im Oberschenkel“. Da ich der Henne den Stress des täglichen Einfangens und der schnabulösen Verabreichung von Medizin ersparen wollte, bat ich um die Injektion eines Entzündungshemmers. Dabei dachte ich an ein Metacam-ähnliches Medikament. Metacam wirkt nicht nur schmerzstillend sondern auch entzündungshemmend. Der Wirkstoff Meloxicam ist ein nichtsteroidales Antiphlogistikum (Entzündungshemmer). Die Tierärztin injizierte das Mittel „Voren Suspension“. Bei der Recherche Zuhause im Internet stellte ich leider fest, dass es sich um den Wirkstoff Dexamethason, ein Glukokortikoid, handelt. Auch las ich in div. (Nymphensittich)Foren, dass die Gabe von Kortison bei Papageien umstritten ist. So wird in den Foren behauptet, dass Kortison zu einer Immunsuppression oder Nierenversagen führt. Auch wird dort die These vertreten, dass die einzige Anwendung von Kortison bei einem schweren Hirntrauma gerechtfertigt sei; und dann nur unter Antimykotika- und Antibiotika-Abschirmung. Andererseits steht in dem Buch "Leitsymptom bei Sittichen und Papageien", dass Dexamethason aufgrund seiner starken antiinflammatorischen (entzündungshemmenden) Wirkung das Mittel der Wahl sei. Die Henne hatte in den 3 Tagen nach der Kortison-Spritze anfangs sehr starke Polyurie, trank und futterte viel. Der Kot normalisierte sich immer mehr und auch der Durst ließ nach. Ansonsten ging es ihr soweit gut. So gut, dass sie sich sogar nach Wochen der Enthaltsamkeit ihrem Hahn anbot. Dennoch bangte ich das ganze Wochenende um ihr Leben. Stand doch in den Foren zwischen den Zeilen geschrieben, dass sie nach einer Kortisonspritze schwer erkranken oder gar sterben könnte. Ich beobachtete sie eingehenst, konnte aber glücklicherweise keine Verschlechterung ihres Allgemeinzustandes feststellen. Auf der Homepage eines Tierarztes der Vierbeiner behandelt, las ich, dass Kortison Auswirkung auf den Wasserhaushalt hat. Die Tiere trinken nach der Behandlung häufig sehr viel mehr als sonst und produzieren dementsprechend mehr Urin. Außerdem regt Cortison den Stoffwechsel und damit auch das Hungergefühl an. Weiter war dort zu lesen, dass nach Abklingen der Wirkung bzw. nach dem Absetzen des Medikamentes diese Nebenwirkungen verschwinden. Aber konnte man von Vier- auf Zweibeiner schließen?
Da mich die fachmännische Meinung von vogelkundigen Tierärzten zu diesem Thema interessierte, schrieb ich bundesweit 23 Praxen an. Ich fragte, ob Kortison grundsätzlich schädlich sei, ob es Glucocortikoide gibt, die weniger gefährlich für Vögel sind und welche Nebenwirkungen bzw. Spätfolgen nach der Gabe von Kortison auftreten können. Von den 23 angeschriebenen Tierärzten antworteten 17 Praxen. Eine Zusammenfassung der Antworten möchte ich hier bekanntgeben. Zunächst allgemeine Aussagen, die getroffen wurden: Es wurde festgehalten, dass meine Fragen wissenschaftlicher Natur seien, die sicherlich noch nicht eindeutig beantwortet werden können. Eine generell verbindliche Antwort sei nicht möglich. Es wurde die Meinung vertreten, dass wenn gleich Kortison bei Vögeln stärkere Nebenwirkungen zu haben scheint, bei genauer Dosierung eine Gabe durchaus vertretbar sei. Meist sind das Notfallbehandlungen. Zudem sehe man bei Kurzzeitformulierungen (kein Depot) in der Regel keine Nebenwirkungen. Durch Glukokortikoide kann es zu einer Unterdrückung der Nebennierentätigkeit und zu einer Immunsuppression kommen. Jedoch ist bei kurz wirksamen und/oder sehr niedrig dosierten Cortisongaben die Gefahr einer Immunsuppression geringer. Die Immunsuppression kann bakterielle und mykologische Infektionen begünstigen. Wird ein Glucocorticoid über einen längeren Zeitraum verabreicht, sollte prophylaktisch eine antibiotische und antimycotische Behandlung erfolgen. Bei kurz wirksamen Kortikosteroiden kann jedoch u.U. darauf verzichtet werden. Ferner kann es zu einer verzögerten Wundheilung, zu Ulzera im Magen-Darmtrakt, zur Bildung einer Fettleber und zu einer Insulinresistenz (evtl. Verstärkung einer vorhandenen Diabetiserkrankung) kommen. Die Nebenwirkungen von Kortison können ebenso zahlreich sein, wie die Wirkungen. Nierenversagen zählt jedoch nach Auffassung einer Ärztin nicht dazu. Ich wurde auch darauf hingewiesen, dass Kortison eine körpereigene Substanz ist, die an vielen Regulationsmechanismen im Organismus beteiligt ist. In Arzneiform gibt es kurz wirksame und Depotpräparate. Bevorzugt werden von einigen der angeschriebenen Praxen die Wirkstoffe Prednisolon (kürzere Wirkzeit, sowie bessere Verträglichkeit und geringere Nebenwirklungen als Dexamethason) und Methylprednisolon. Von Vorteil sei es, wenn vor dem Einsatz von Kortison der Immunstatus des Vogels bekannt ist. Durch eine Leukozytenzählung können Anzahl und Aktivität der Entzündungszellen beurteilt werden. Wenn bereits (zu) wenig Leukozyten (Leukopenie), speziell Lymphozyten vorhanden sind, sollte von einem Kortisoneinsatz abgesehen werden. Ist zu befürchten, dass die Injektion von Kortison einem Vogel geschadet hat, kann eine hämatologische Untersuchung einer Blutprobe mit Leukozytenzählung, Differentialblutbild und Hämatokritwertbestimmung vorgenommen werden. Zudem eine Blutchemie, d.h. organspezifische Enzyme und Elektrolyte-Bestimmung. Die Ärzte schrieben, dass Kortison bei folgenden Fällen zum Einsatz kommt: - Hirntrauma - Kreislaufkollaps - hochgradiger Atemnot - Schock - Hirnödem - Endophthalmitis (Innere Augenentzündung) - Einblutungen am Augenhintergrund - präoperativ vor der Operation ulzerierter, infizierter Tumore - bei schwersten nicht infizierten Arthritiden und Arthrosen (wenn NSAD nicht wirksam sind) - bei überschießende Entzündungen oder Schwellungen. Grundsätzlich abzulehnen sei Kortison in Form von Depot-Glucocorticoiden sowie bei Anwendung auf der Haut (Nekrosen) oder am/im Auge, langfristige Gaben von Cortisonen, Verabreichung bei tropischen und nordischen Vogelarten, die äußerst empfindlich für Infektionen des Repirationstraktes (z.B. Amazonen, Beos, Gerfalken) mit Schimmelpilzen und Bakterien sind. Tiere mit einer Immunabwehr unterdrückenden Erkrankung, sollten ebenfalls kein Kortisonpräparat verabreicht bekommen (Circovirusinfektion, PBFD). Dass hier auch Dexamethason (ein Depot-Kortison) aufgeführt wird, zeigt, wie uneins sich die Ärzteschaft ist. Der Einsatz von nicht-steroidale Entzündungshemmern (NSAD = NonSteroidalAntiinflammatoryDrugs) sollte dem des Kortisons vorgezogen werden. Hierzu gehört Metacam mit seinem Wirkstoff Meloxicam. Diese Wirkstoffe haben keine immunsuppressive Wirkung und sind deshalb bei leichten Traumata bevorzugt zu verwenden. Nachstehende Aussagen zum allgemeinen Gebrauch von Kortison, werden ebenfalls zusammenfassend aufgeführt: Man könne nicht sagen, dass ein Medikament grundsätzlich schädlich ist, auch Kortison nicht. Es kommt immer auf die Erkrankung und die Konstitution des Vogels an. Bei Dauergabe besteht natürlich wie bei vielen Medikamenten die Gefahr von schädlichen Auswirkungen. Beim Einsatz von Kortisonpräparaten ist die Dosis zusätzlich entscheidend für das Ausmaß der Wirksamkeit. Wellensittiche und Nymphensittiche gehören als Kontinentalvögel eher zu den robusteren Tieren und sind viel weniger anfällig. Viele Vögel hätten schon Cortison bekommen ohne irgendwelche Spätfolgen. Es muss also noch lange nicht immer zu Komplikationen kommen. Gerade Nymphensittiche neigen nicht so sehr zu Reaktionen auf Kortison wie andere Species. Natürlich muss der Einsatz von Corticoiden beschränkt bleiben.
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