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Künstliche Beleuchtung in der Nymphensittichhaltung
Ein essentieller Bestandteil in der Nymphensittichhaltung ist neben Unterbringung, Inneneinrichtung, Ernährung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit auch die Beleuchtung.
Um als Nymphensittichhalter optimale Haltungsbedingungen schaffen zu können ist es notwendig, ein großes Augenmerk auf eine möglichst naturnahe Beleuchtung zu legen. Als Vorbild sollten hierfür die Lichtverhältnisse in der natürlichen Umgebung der Nymphensittiche genommen werden.
In der australischen Heimat, dem kargen und wüstenähnlichen Buschland des Outbacks, herrscht eine erheblich höhere Lichtintensität wie in den meisten zentraleuropäischen Wohnzimmern.
Welche Parameter sind hierbei zu beachten? Betrachten wir hierzu erst einmal die physikalischen Eckdaten die uns jede Art von Licht liefert. Dies wären, Lichtintensität, Lichtfarbe und das Spektrum.
Die Lichtintensität: Sie kann mit der physikalischen Messgröße in Lux gemessen werden. Sie gibt den Lichtstrom, der in Lumen gemessen wird, auf die Fläche von 1 Quadratmeter an.
Zum Vergleich: Bei einem Hellen Sonnentag herrschen auf der Eroberfläche etwa 100000 Lux.
An einem schattigen Sommertag sind es immer noch 10 000 Lux.
Die durchschnittliche Beleuchtung in einem Wohnzimmer hat eine Lichtintensität von etwa 800 Lux.
Die Lichtfarbe: Sie wird auch Farbtemperatur genannt, ist eine spektrale Zusammensetzung des von einer Lichtquelle ausgesendeten Lichtes. Die physikalische Maßeinheit der Lichtfarbe ist die Größe Kelvin (K).
Die Lichtfarbe des natürlichen Sonnenlichtes verändert andauernd im Verlauf des Tages und abhängig von den natürlichen Umständen. Hier spielen sowohl die Jahreszeiten als auch die Wolkendecke eine große Rolle.
Gehen wir von einem wolkenlosen Sommertag aus, so hat das Licht der Morgendämmerung keine Rottöne. Man spricht auch von Morgengrauen. Die Farbtemperatur liegt hier bei etwa 2500 K.
Gegen Mittags wird das Licht weißer, es hat eine Farbtemperatur von 5600 K.
Zum Abend hin wiederholt sich das ganze in umgekehrter Reihenfolge.
Das Lichtspektrum: Es ist das Spektrum des sichtbaren Lichtes. Das Lichtspektrum der Vögel unterscheidet sich gravierend von dem des Menschen und vieler anderer Säugetiere. Vögel haben die Fähigkeit in Teilbereiche des Spektralspektrums zu sehen, die uns ohne technische Hilfsmittel verborgen bleiben. Dazu gehört die Fähigkeit UV-Licht wahrzunehmen.
Das für den Menschen sichtbare Spektrum reicht von 390nm (darunter beginnt der Ultraviolette Bereich), bis zu 790nm (darüber beginnt der Infrarote Bereich). In den dazwischen liegenden Wellenlängen sind die für uns sichtbaren Farben des Regenbogens zu finden.
Die im Auge des Nymphensittichs sitzenden Zapfenzellen sind in der Lage, UV-Licht wahr zu nehmen. Es dient ihnen, sowie zahlreichen anderen Vogelarten, unter anderem zur Orientierung, zur Geschlechter- und Artenerkennung sowie zur Futtersuche.
Zusätzlich gewährleistet der Anteil des UV-B-Lichtes die Synthese des Vitamins D3, das zur Knochenbildung benötigt wird.
Das sind zusammengefasst und verständlich gemacht die Eckdaten, an denen sich nun der gewillte Vogelhalter orientieren sollte, wenn er seinen Schützlingen eine artspezifische Beleuchtung zuteil werden lassen will.
Das dies mit nur einer einzigen Art von Allround-Lampe, die morgens an- und abends aus geht realisieren lässt ist jetzt auch leicht zu verstehen.
Glücklicherweise gibt uns die heutige Technik jedoch Mittel und Möglichkeiten um einer Imitation der Natur nahe zu kommen.
Hier werden nun einige Vertreter der Lampenarten miteinander verglichen und auf Eignung in der Nymphensittichhaltung überprüft:
Glühlampen (Glühbirnen):
Glühlampen haben nur einen Vorteil, sie sind billig. In Bezug auf Lichtausbeute, Lebensdauer, Lichtfarbe und UV-Anteil weisen sie nur Nachteile auf.
Die Lichtfarbe entspricht mit ihren etwa 2900 K in keinster Weise dem natürlichen Sonnenlicht. Ihre Lichtintensität mit etwa 14 lm/W ist dürftig und einen UV-Anteil kann man mit handelsüblichen Glühbirnen auch nicht erreichen.
Wenn man Glühlampen einsetzen will, so kann man dies als Nachtlicht oder zur Simulation des Tag-/Nachtwechsels machen.
Mischlichtlampen:
Die Mischlichtlampe ist eine Kombination von Glüh- und Quecksilberdampflampe. Sie weist bereits, bei Verwendung eines UV-Durchlässigen Spezialglases einen nennenswerten UV-A- und UV-B-Anteil auf.
Jedoch ist auch ihre Lichtausbeute (unter 20 lm/W) sehr dürftig.
Mischlichtlampen werden häufig mit hohen Wattzahlen angeboten. Deshalb ist ein Dauereinsatz dieser Lampen nicht geeignet, denn die Wärmeabgaben ist bei einem Wirkungsgrad von lediglich 10% enorm.
Allerdings gibt es aus durchaus Mischlichtlampen, die bei einer Wattstärke von 100 W bis 160 W liegen, die auch für den Dauerbetrieb geeignet sind.
Mischlichtlampen sind in der Anschaffung deutlich teurer als Glühlampen, haben allerdings auch eine längere Lebensdauer.
Aufgrund der geringen Lichtausbeute eignen sie sich nicht zur Grundausleutung, sind jedoch als UV-Lichtquelle gut geeignet
Leuchtstofflampen:
Im Gegensatz zur Mischlicht- und Glühlampe, ist die Leuchtstofflampe in Abhängigkeit von der Bauart, zur Grundausleuchtung gut geeignet. Teilweise haben sie einen Wirkungsgrad von bis zu 30 %.
Leuchtstofflampen gibt es in verschiedenen Durchmessern. Die üblichen Durchmesser sind sogenannte T5- und T8-Röhren. Die Zahl hinter dem T gibt dabei den Durchmesser in Achtel-Zoll an. Eine T8-Röhre hat somit einen Durchmesser von 8/8-Zoll oder 26 mm.
Man kann beide Lampentypen also ganz einfach mit bloßem Auge unterscheiden.
Der größte Unterschied besteht jedoch in der Betriebsart. T8-Röhren können sowohl mit konventionellem Vorschaltgerät (KVG) als auch mit elektronischem Vorschaltgerät (EVG) betrieben werden.
T5-Röhren können bauartbedingt nur mit EVG betrieben werden. Der Unterschied zwischen beiden Betriebsarten ist essentiell. Da das Vogelauge und das Vogelgehirn, eine deutlich höhere Bildfrequenz als das menschliche Auge verarbeiten können.
Leuchten die mit KVG betrieben werden zeigen schon für unser Auge ein wahrnehmbares Flimmern. Für einen Vogel wirkt dieses Flimmern wie ein Stroboskop.
Verwendet man T5-Röhren, so ist in den Lampen schon das richtige Vorschaltgerät eingebaut und man braucht sich nicht darum zu kümmern, um auch sicher dass richtige Betriebsmittel zu wählen.
Leuchtstofflampen, die als Vollspektrumlampen verkauft werden, weisen schon einen UV-Anteil auf. Allerdings müssen, wenn der UV-Anteil genutzt werden möchte, die Lampe mindestens alle sechs Monate gewechselt werden, da danach die für den UV-Anteil notwendige Beschichtung, verbraucht ist.
Allerdings muss dazu gesagt werden, dass auch der UV-Anteil von Vollspektrumslampen sehr gering ist.
Außerdem nimmt die ohnehin schon geringe Leistung, ab Verlassen der Lampe linear ab. Das heißt im Klartext, verdoppelt sich der Abstand zur Lampe so wird nur noch die Hälfte der ausgesendeten UV-Leistung erreicht.
Leuchtstofflampen gibt es in den Ausführungen High Efficiency HE und High Output HO. Die HO Lampen sind den HE Lampen in jedem Fall vor zu ziehen, da hier das Hauptaugenmerk auf einen möglichst hohen Lichtausfall gerichtet wurde.
Fazit: die Leuchtstofflampe eignet sich zur Grundbeleuchtung, ist jedoch als Sonnenpunkt und als UV-Versorger nicht geeignet.
Halogen-Metalldampflampe:
Diese Art von Lampe stellt im vergleich zu den bisher genannten die effizienteste Möglichkeit der Beleuchtung dar.
Sie besitzen sowohl eine hohe Lichtleistung (mehr als 80 lm/W), eine hohe Lebensdauer und einen hohen Farbwiedergabeindex.
Bekannt sind diese Lampen mit den Marktbezeichnungen HQI, HCI oder CDM. Sie müssen wie die Leuchtstofflampen auch, unbedingt mit elektronischem Vorschaltgerät betrieben werden.
Auch die Effizienz der Lampe gewinnt enorm durch die Verwendung eines EVG`s.
Diese Lampen wurde ursprünglich für die Ausleuchtung von Verkaufsflächen konzipiert. Aus diesem Grund haben sie in der Regel eine UV-Absorbierende Schutzglas-Scheibe. Halogen- Metalldampflampen, stellen derzeit die beste Möglichkeit dar, Sonnenplätze mit bis zu 100 000 Lux zu realisieren. Zur Zeit ist auf dem Markt eine Lampe aus dem Terrarienbereich erhältlich, die auch eine adäquate UV-Versorgung sichert.
Beim Einsatz dieser Lampen sollte der nächstmögliche Sitzplatz nicht näher als 80 cm zur Lampe sein. Auch ist darauf zu achten das die Strahlung der Lampe senkrecht von oben auf die Vögel strahlt und nicht seitlich auf das Auge trifft.
Die Anschaffung dieser Lampen ist allerdings preislich höher anzusiedeln, sie sind für etwa 75,- € zu erwerben.
Fazit aus den Lampenvergleichen:
Eine einzig richtige Lösung gibt es nicht. Das natürliche Sonnenlicht mit all seinen Bestandteilen ist einfach zu komplex und vielschichtig um es mit einer einzigen Lampe nachbilden zu können.
Um einen naturnahen Lichtfluss zu erreichen ist am besten eine Kombination verschiedener Lampentypen zu wählen. Derzeit stellt eine Zusammenstellung aus Leuchtstofflampen in HO mit einer Lichtfarbe im Bereich von etwa 5500K für die Hauptbeleuchtungszeit und 4500K für die Morgen- und Abendstunden, sowie einer oder mehrerer Halogen-Metalldampflampen dar, um Sonnenpunkte im Raum zu schaffen die, die Vögel je nach eigenem Wunsch aufsuchen können.
Um einen natürlichen Sonnenauf- bzw. –Untergang zu simulieren sind im Handel verschiedene Arten von Dimmern erhältlich. Diese sind frei programmmierbar, so dass man sogar einen Schattenflug durch Wolken nachstellen kann.
Für die Nacht ist in jedem Fall ein Nachtlicht zur Verfügung zu stellen. Bei völliger Dunkelheit kann schon die kleinste Störung zu einem Schreckflug führen. Diese sogenannten Night-Frights enden nicht selten mit schwersten Verletzungen im schlimmsten Fall kann es sogar zum Tod eines oder mehrerer Tiere führen. Das Nachtlicht sollte so hell sein, das es den Tieren möglich ist auch bei Nacht auf einem Ast landen zu können ohne diesen zu verfehlen.
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