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Vor der Anschaffung eines Nymphensittichs bzw. eines Nymphensittichpärchens gilt es sich einige Gedanken zu machen.
Nymphensittiche werden oft als sog. Anfängervögel bezeichnet. Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend, denn bei der Haltung keines Lebewesens darf ein Fehler gemacht werden. Weder beim Wellensittich noch beim Inkakakadu.
Der Interessent sollte überlegen, ob er den Bedürfnissen des Nymphensittichs gerecht werden kann. Hierzu zählt zunächst, dass der Nymphensittich als Schwarmtier niemals alleine gehalten werden darf, auch nicht für wenige Wochen. Es müssen deswegen gleich mindestens zwei Nymphensittiche unterschiedlichen Geschlechts gekauft werden. Das Halten von zwei Hähne oder zwei Hennen kann eine zeitlang gutgehen, aber mit Erreichen der Geschlechtsreife kann es zu Problemen kommen, wenn die Vögel nach gegengeschlechtlichen Partnern verlangen.
Die Annahme, dass nur ein allein gehaltener Nymphensittich zahm wird, ist falsch. Zu zweit sind die Nymphensittiche viel mutiger. Ein einzeln gehaltener Nymphensittich schließt sich aus Verzweiflung dem Menschen an. Das hat nichts mit Zahmheit zu tun. Der Mensch kann jedoch niemals einen artgerechten Partner ersetzen. Er kann nicht mit dem Nymphensittich fliegen, nicht mit ihm zusammen Äste schreddern, die Sprache ist unterschiedlich und ebenso das Sozialverhalten. Auch möchte der Nymphensittich seinem Sexualtrieb nachgehen. Dafür sollte nicht die menschliche Hand herhalten müssen.
Als Folge der Einzelhaltung entwickelt der Nymphensittich eine schwere Fehlprägung auf den Menschen. Er sieht den Menschen als vermeintlichen Partner an und schreit, sobald der Mensch den Raum verlässt. Er schreit so lange, bis der Mensch wieder da ist. Dies kann Stunden dauern, wenn der Mensch zur Arbeit geht oder wegen sonstiger Verpflichtungen länger außer Haus ist. Aus Frust über die Einsamkeit fängt der Nymphensittich an, sich das Gefieder auszurupfen. Solche fehlgeprägten Vögel werden oftmals in Tierheimen abgegeben oder einfach fliegen gelassen, weil die Haltung den Menschen überfordert. Dabei ist dieses Verhaltensstörung hausgemacht und hätte vermieden werden können, wenn der einzelne Nymphensittich einen artgerechten Partner hätte.
Auch die Vergesellschaftung mit einem Wellensittich oder einer anderen Vogelart ist nicht anzuraten. Das Sozialverhalten und die Sprache sind unterschiedlich, die Vögel leben nebeneinander statt miteinander.
Hat man sich zum Wohle des Nymphensittichs entschieden, mindestens zwei Vögel anzuschaffen muss nun bedacht werden, dass Nymphensittiche durchaus bis zu 30 Jahre alt werden können. Wie sieht die weitere Lebensplanung aus? Steht in naher Zukunft ein Berufswechsel und einem damit verbundenen Umzug in eine kleinere Wohnung an? Ist der Partner, mit dem man bislang noch nicht zusammenlebt Nymphensittichen gegenüber negativ eingestellt? Bestehen bereits Allergien?
Viel wichtiger jedoch ist die Frage, ob man gewillt ist, für die nächsten 30 Jahre Verantwortung für ein Tier zu übernehmen.
Nachfolgendes Bild zeigt Opa Bubi - mittlerweile 32 Jahre alt:

Nymphensittiche brauchen nicht nur einen Partner sondern auch eine schöne große Behausung, in die sie gerne auch freiwillig zurückkehren. Die im Handel angebotenen Käfige sind alle zu klein. Deswegen wird dazu geraten, gleich eine Voliere zu kaufen. Volieren nehmen viel Platz im Zimmer ein. Ist der Platz vorhanden? Am wohlsten fühlen sich die Vögel, wenn sie „mitten drin“ sind, also im Wohnzimmer, wo der Rest ihres Schwarmes (die Familie) sich aufhält. In Räumen, in denen geschlafen wird, sollten die Vögel nicht stehen, da es aufgrund des Gefiederstaubes zu gesundheitlichen Problemen beim Menschen kommen kann. Auch von der Küche als Standort für die Voliere ist dringend abzuraten, denn die Kochdünste und giftigen Dämpfe, die bei Überhitzung von antihaftbeschichteten Pfannen entstehen, sind lebensbedrohlich für die empfindlichen Nymphensittiche.
Die Ernährung spielt eine ganz große Rolle bei der Haltung von Nymphensittichen. Die im Supermarkt angebotenen Produkte sind qualitativ minderwertig und vielfach mit ungesunden Saaten sowie Backnebenerzeugnissen usw. angereichert. Es empfiehlt sich, bei renommierten Online-Fachhändlern das Futter zu kaufen.
Die Gewöhnung an Obst und Gemüse sollte schon gleich nach dem Einzug erfolgen, ansonsten wird der Nymphensittich zum Grünfutterverweigerer. Ältere Vögel sind nur mit viel Geduld an gesunde Nahrung heranzuführen.
Wer Wert auf seine Inneneinrichtung legt und auf einen Preis bei „Schöner Wohnen“ hofft, sollte sich keine Nymphensittiche anschaffen. Nymphensittiche sind gefiederte Termiten, die gerne an Möbeln, Tapeten und alles, was nicht für sie gedacht ist, knabbern. Erziehen kann man Nymphensittiche kaum und so kann man die kleinen gefiederten Nagetiere nur vom Knabbern abhalten, in dem diese beliebten Stellen verbaut werden bzw. abgeschafft werden. Pflanzen haben in den Räumen, in denen Nymphensittiche leben, keine Überlebens-Chance.
Da Nymphensittiche ein sehr komplexes Atemsystem haben, das nur durch viel Freiflug intakt gehalten werden kann, reicht es nicht aus, ihnen alle zwei bis drei Tage für einige Stunden Freiflug zu gönnen. Mangelnder Freiflug führt zu Verfettung, Sohlenballengeschwüren und Erkrankungen des Atemsystems. Der künftige Halter muss sich daher fragen, ob er den Vögeln täglich mehrstündigen Freiflug bieten kann.
Sommerzeit = Urlaubszeit. Verreist der künftige Nymphensittichhalter gerne, muss er sich vor der Anschaffung überlegen, wer die Vögel während der Abwesenheit betreut. Einen Goldfisch im kleinen Wasserglas (was übrigens Tierquälerei ist!) kann man leicht bei Bekannten/Verwandten/Freunden unterbringen. Nymphensittiche sind da jedoch anspruchsvoller. Die große Voliere lässt sich schwer Zuhause ab- und am Urlaubsort wieder aufbauen. Wird eine Betreuung gefunden, die die Vögel in einem kleineren Käfig aufnimmt, muss gewährleistet sein, dass die Nymphen dort Freiflug bekommen. Das darf aber nur in einem vogelsicheren Zimmer geschehen und auch nur, wenn keine vierbeinigen Haustiere in der Nähe sind. Idealerweise werden die Nymphensittiche während des Urlaubes in ihrer gewohnten Umgebung Zuhause betreut und mit täglich frischem Futter und Wasser versorgt. Lieber zwei Wochen keinen Freiflug, als von der Katze der Betreuung gefressen zu werden.

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