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Quarantäne – notwendig oder doch übertrieben?
Einige Vogelhalter gehen mit dem Thema Quarantäne zu leichtsinnig um, und setzen neue Vögel ohne vorherige tierärztliche Untersuchung zu dem schon vorhandenen Vogel oder Schwarm hinzu. Sollte der Neuankömmling jedoch eine schlummernde Krankheit in sich bergen, kann durch das Einhalten der Quarantäne eine Ausbreitung der Erkrankung über den gesamten Bestand verhindert werden. Ein Verzicht auf die Quarantäne birgt immer das Risiko, dass sich der gesamte Schwarm mit einer eventuell vorliegenden Krankheit infiziert.
Eine Behandlung von mehreren Vögeln ist nicht nur wesentlich nervenaufreibender und kostenintensiver, sondern die Medikamente belasten den Organismus des Vogels oftmals erheblich. Man stelle sich hierbei mal den entstehenden Streß für Halter und Vögel vor, wenn eine Behandlung durchgeführt werden muss, bei der bis zu 2mal täglich Medikamente in den Schnabel verabreicht werden müssen.
Dahingegen ist die Untersuchung und evtl. Behandlung von nur einem Vogel (dem Neuzugang) nervenschonender und kostengünstigiger.
Bevor ein Neuzugang zu dem bereits vorhandenen Nymphensittich oder Schwarm hinzugesetzt wird, muss er tierärztlich untersucht werden. Leider kommt es immer wieder vor, dass auch gesund aussehende Vögel Krankheiten in sich tragen, die oftmals erst durch den stressigen Umzug ins neue Heim ausbrechen.
Quarantäne bedeutet aber nicht, den neuen Vogel lediglich in einem separaten Käfig neben den bereits vorhandenen Käfig und dessen Bewohner zu stellen.

Der Hahn besucht auf dem Foto seine neue Partnerin, die noch separat gehalten wird. Allerdings wurde sie nicht tierärztlich untersucht und der "Quarantänekäfig" steht direkt neben dem Käfig des Hahnes. Fünf Wochen später stellte sich heraus, dass die Henne einen massiven Spulwurmbefall hatte.
Richtige Quarantäne heisst, dass der Neuankömmling in einem gesonderten Raum unterzubringen ist, also keinerlei Kontakt zu den restlichen Vögeln hat. Bevor ein Neuzugang zu dem bereits vorhandenen Nymphensittich oder Schwarm hinzugesetzt wird, muss er unbedingt tierärztlich untersucht werden. Ein gesundes Aussehen des neuen Tieres ist hierbei kein Kriterium die Untersuchung zu unterlassen. Leider kommt es immer wieder vor, dass auch gesund aussehende Vögel Krankheiten in sich tragen, die oftmals erst durch den stressigen Umzug ins neue Heim ausbrechen.
Zunächst sollte eine sogenannte Sammelkotprobe gemacht werden. Hierbei wird über mindestens 3 Tage hinweg der Kot des neuen Vogels gesammelt, da einige Parasiten und sonstige Krankheitserreger nicht über den ganzen Tag hinweg ausgeschieden werden.
Der gesammelte Kot wird in einem Stuhlprobenröhrchen aus der Apotheke im Kühlschrank aufbewahrt.
Etwa 4 Tage, nachdem der neue Vogel eingezogen ist, geht es mit ihm und dem Stuhlprobenröhren zum vogelkundigen Tierarzt. Dort wird der Vogel dann eingehend untersucht.
Allerdings stellt sich nun die Frage, auf was genau der Neuzugang untersucht werden sollte. Der mitgebrachte Kot muss auf jeden Fall auf Parasiten, Bakterien und Pilze hin untersucht werden. Hierzu wird die Probe in ein Labor geschickt, wo Kulturen angelegt werden.
Da immer häufiger Psittakose-Fälle auftreten, sollte auch kontrolliert werden, ob sich im Kot Chlamydien befinden, oder der Tierarzt nimmt in der Praxis den sogenannten Clear-View-Test (Schnelltest auf Psittakose) vor.
Giardien oder andere Darmflagelatten können in der Sammelkotprobe nicht nachgewiesen werden, da diese nur im frischen Kot nachweisbar sind. Deswegen muss der TA entweder frisch abgesetzten Kot sofort unter dem Mikroskop untersuchen oder einen Kloakenabstrich vornehmen, der ebenfalls direkt mikroskopisch untersucht werden muss.
Eine Kropfspülprobe oder Tupferprobe des Kropfes ist ebenfalls anzuraten, denn nur so können Trichomonaden oder z.B. spiralförmige Bakterien nachgewiesen werden.
Mit einer Sammelkotprobe, Kropf- und Kloakenabstrich können somit viele Krankheiten schon im Vorhinein ausgeschlossen bzw. nachgewiesen werden.
Weiterhin sollte der Tierarzt prüfen, dass das Gefieder frei von Parasiten wie z.B. Milben ist.
Um ganz sicher gehen zu können, kann der Neuankömmling auch noch auf den Polyoma-Virus und auf PBFD getestet werden.
Nun muss der Vogel in seinem neuen Zuhause noch mindestens solange in Quarantäne bleiben, bis der Befund vom Tierarzt kommt.
Eigentlich sollte eine Quarantäne 6 Wochen betragen. In dieser Zeit sollten sich schlummernde Krankheiten herauskristallisieren. Aber den Neuzugang (zur Erinnerung: Nymphensittiche sind Schwarmtiere und dürfen deswegen nicht alleine gehalten werden) kann man so lange nicht ohne Artgenossen lassen. Auch für den verwitweten Nymphensittich, der sehnsüchtig auf einen neuen Partner wartet, sind 6 Wochen Einzehaft eine Qual. Die Ergebnisse der vorgenommenen Tests abzuwarten ist hierbei eine gute Kompromißlösung.
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